Zahnverlust ist immer schmerzhaft, ich meine nicht körperlich, denn da hilft die Betäubung. Zahnverlust ist mehr ein innerer Schmerz, weil er einen Verlust eines Körperteils bedeutet und das Gleichgewicht des Organismus, besonders des Kauorgans stört. Auch wenn die Lücke nur im Seitenzahnbereich ist und viele Leute sagen: "Mich stört das nicht Herr Doktor, das sieht eh kein Mensch." - die Probleme fangen an. Die nicht richtig gekaute Nahrung ist nur schwer zu verdauen und die enthaltenen Nährstoffe können nicht ganz verwertet werden. Das hat natürlich negative Auswirkungen, nicht nur auf das ganze Verdauungsystem (Magen usw.), sondern auch auf das gesamte Wohlbefinden, die körperliche und geistige Leistungfähigkeit. Das sind die allgemeinen Probleme.
Die lokalen Veränderungen in den Zahnreihen, die das Fehlen eines einzigen Zahnes auslösen kann, sind unglaublich vielfältig. Die Nachbarzähne beginnen sich zur Lücke zu kippen, dadurch verlieren sie ihre ursprüngliche senkrechte Stellung, welche gewährleistet, daß die Zähne immer senkrechte Kräfte auffangen und nie schädliche Seitenkräfte. Aber der Kippwanderung der Nachbarzähne folgen auch die Nachbarzähne der Nachbarzähne, weil das Platzangebot da ist. Je näher sich ein Zahn bei der Lücke befindet, umso grösser ist seine Kippwanderung. Durch eine einzige Lücke kommt es zu einer minderen oder stärkeren unnatürlichen, krankhaften Fehlstellung jedes Zahns der betreffenden Zahnreihe, weil alle Zähne ihre strenge Kontaktposition verlieren. Und in der gegenüberliegenden Zahnreihe beginnen ebenso nachteilige Auswirkungen. Der Gegenzahn des verlorenen Zahnes hat nun überhaupt keine Bißstellung mehr, er ist einfach arbeitslos. Das passt ihm natürlich nicht, und er begibt sich auf Arbeitssuche. Er fängt an rauszuwachsen, er sucht seinen Partner. Gleichzeitig beginnen auch seine Nachbarzähne zu wandern, weil er in der Wurzelregion viel schmäler ist als an der Krone. Die Kontaktposition geht verloren. So kommt es zu einem überschüssigen Platzangebot neben dem betreffenden Gegenzahn, und es passiert eigentlich das gleiche wie im Falle des verlorenen Zahnes, nur natürlich in viel kleinerem Ausmaß. Mit der Zeit kommt der Gegenzahn so weit heraus, daß sogar die halbe Wurzel sichtbar wird. Das bedeutet wieder Zahnverlust.
Die Bißstellung der Zähne ist eine extrem präzise Situation, in der die einwirkenden Kaukräfte durch die Zahnhöcker so in die Wurzel abgeleitet sind, daß sie neutralisiert werden können. Durch die fehlerhaften Zahnstellungen ist das nicht mehr der Fall. So wird die Harmonie gestört. Bei mehreren Lücken können wir gar nicht von Gleichgewicht reden. Unser Körper ist sehr adaptationsfähig, das Kauorgan auch. Aus diesem Grund sind die Folgen der Zahnlücke für die Patienten nicht sofort oder nur sehr spät bemerkbar. "Das habe ich schon seit mindestens 8 Jahren so, Herr Doktor und trotzdem kann ich gut beißen. Außerdem hat mir das noch niemand gesagt."- höre ich so oft in meiner Praxis. Das bedeutet aber nicht, daß ich nicht Recht habe. Die Folgen kann ich in der Zahnstellung schon sehr deutlich erkennen, im Zustand des Zahnbettes (Entzündung, Taschenbildung, Parodontose) und in der Röntgenaufnahme.
Also eines ist sicher: die Lücke muß geschlossen werden. Was haben wir für Möglichkeiten? Im Prinzip gibt es den herausnehmbaren und den festsitzenden Zahnersatz. Der erste ist die technisch einfachere und nicht so bequeme Lösung wie der andere. Den herausnehmbaren Zahnersatz nennen wir Prothesen. In Wien bezeichnen viele Leute die Teilprothesen fälschlich als Brücke. Die Kosten der Prothesen werden anteilsmäßig von jeder Krankenkasse getragen. Die einfachste Prothese ist durch ein Metallgerüst und Klammern an den noch bestehenden Zähnen verankert. Die Klammern haben auf die tragende Zähne bestimmte schädliche Wirkungen. Aber das ist lange nicht so schädlich wie die unversorgte Lücke. Übrigens kann man diese Wirkung weitgehend mit der Anfertigung von Klammerzahnkronen ausschalten, deren Kosten neuerlich auch anteilsmäßig von jeder Kasse übernommen werden. Um die Klammern ganz auszuschalten, müssen wir zu der Klammerzahnkrone einen Hilfsteil (Geschiebe, Drucker etc.) anfertigen. So wird die Prothese im vorderen Bereich nicht mehr durch die Klammern, sondern durch diese Hilfsteile gehalten. Das bringt große ästhetische Vorteile. Laut gültigen Kassenverträgen sind die Hilfsteile Privatleistung. Ich muß Ihnen deutlich sagen, daß die Einstellung vieler Leute völlig falsch ist, die sagen: "Wenn ich mir nichts Gescheites leisten kann, trage ich so etwas nicht. Lieber warte ich ein, zwei Jahre bis ich Geld habe." Die Einstellung vorläufig eine Prothese zu tragen, wäre eher richtig, weil sich die Situation so nicht rasant verschlimmern kann. Wenn ich einmal die finanzielle Möglichkeit habe, lasse ich mir eine andere Versorgung anfertigen. Sonst passiert es immer wieder, daß das Geld da ist, aber die Situation schon ungünstig ist. Auch die Einstellung, daß die Prothesen nicht zu vertragen seien, ist falsch: "Wissen Sie Herr Doktor, die Freundin von meiner Schwägerin, die hat so was bekommen. Aber sie hat das nicht einmal zwei Tage ausgehalten. Sie mußte sie in die Schublade stecken." Natürlich gibt es eine Gewöhnungszeit in der Druckstellen, Schmerzen auftreten können. Aber diese kann man beheben. Ich kann Ihnen versichern, daß ich sehr wohl in der Lage bin tragbare Prothesen zu machen. Die Prothese hat aber nicht die Fähigkeit, mit dem Festsitzenden in Wettbewerb zu treten.
Der festsitzende Zahnersatz kann zahngetragen oder implantatgetragen (Implantat = künstliche Wurzel, siehe Implantatprospekt) sein. Den zahngetragenen Zahnersatz nennen wir Brücke. Er ist genauso gebaut wie eine Brücke. Es besteht aus mindestens zwei Pfeilerzähnen und einem Brückenglied. Die Pfeilerzähne werden mit Kronen versorgt und zwischen die Kronen kommt ein Glied das den fehlenden Zahn ersetzt. Das Zwischenglied wird nicht in den Kiefer eingesetzt, sondern es wird von den Pfeilerzähnen getragen. Die Brücken sind an den sichtbaren Stellen aus Porzellan angefertigt. Innen haben sie einen Metallkern, der die Tragfähigkeit der Konstruktion gewährleistet. In der Kostenrechnung ist die Qualität dieses Metalls eine wichtige Position. Es gibt allerdings eine ganz neue Technik mit der Brücken aus Glasfibermaterial hergestellt werden können, die also eine metallfreie Arbeit ermöglicht. Ich setze große Hoffnung in diese neue Technik. Denken wir nur an die vielen Metallallergien, die in letzter Zeit so häufig auftreten. Der festsitzende Zahnersatz stellt die bequemste Lösung dar. Man vergißt nach einiger Zeit daß man neue Zähne bekommen hat, und es ist alles wie mit den eigenen Zähnen. Man vergißt schnell auch die Behandlungschmerzen, die eigentlich vernachlässigbar sind und auch die Schmerzen, die der Brieftasche verursacht wurden, denn bei dieser Form der Behandlung übernehmen die Kassen keinen Groschen. Das ist eine Privatinvestition für die persönliche Lebensqualität. Es ist zwar teuer, aber in Anbetracht der sehr langen Haltbarkeit und der perfekten Wiederherstellung des Originalzustandes ist die festsitzende Lösung doch nur angemessen teuer.
Wenn Sie noch weitere Fragen haben, so stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Wir wünschen Ihnen alles Gute!
Liebe Grüße
Dr.Fülöp und das Praxisteam
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